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Ich gebe gern, wenn es der andere von Herzen nimmt. Ich gebe ungern, wenn es mir ohne Herz genommen wird.

(Foto: Quelle www.pixabay.com von Pezibear)

(Foto: Quelle www.pixabay.com von Pezibear)

Am Wochenende kam ich mit einem jungen Mann ins Gespräch. Ich schätzte ihn Anfang Zwanzig. Wir waren auf einem Stadtfest und er genoss mit seinen Freunden die Livemusik. Die Augen strahlten, er bewegte sich behände zur Musik und eine innere Freude war in seiner Gruppe zu verspüren. Seine Haare waren seitlich und am Nacken kurz geschnitten, die übrigen lang und zu einem gezwirbeltem Zopf zusammen gebunden. Sein Gesicht war mit Piercings bespickt und aus den T-Shirt-Ausschnitten ließen sich zahlreiche Tattoos erkennen. Seine Freundin fiel durch Ihre blauen Augen auf. Diese waren durch schwarze Lidstriche hervor-gehoben und umsäumt von ihren Haaren in flammendem Orange. Ihr Antlitz gewann durch Ihr leises Lächeln an Sanftheit. Der Freund gegenüber war modisch im Casual Look gekleidet und seine Haare fielen in leichten Wellen locker bis kurz über die Ohren. Die Gruppe versprühte etwas auffallend Freundliches und Angenehmes.

Irgendwann ergab sich ein Gespräch mit meinem gepiercten Gegenüber. Einer seiner ersten Sätze war, “ich möchte einfach nur Freude um mich herum verbreiten”. Schnell sprachen wir über vielerlei Themen, die man im Einzelnen hätte tiefer durchleuchten können. Was ich jedoch konstant wahrnahm, war vor mir ein Mann, der vom Alter her die ganze Zukunft vor sich hatte. Ein Mann, der für etwas brannte, für seinen Ursprung, seine Sippe, seine Freundin, seinen besten Freund, seine Freunde – kurzum Loyalität. Er wünschte sich Standing und Profile für die Gesellschaft, genauso wie er hervorhob, dass jeder Mensch dieser Erde die gleichen Rechte hat. Die Energie die ihn durchströmte war spürbar, auch wenn er sich selbst für gänzlich kaputt erklärte.
“Ich möchte einfach nur Freude um mich herum verbreiten.” Wie wundervoll klang dieser Satz und wieviel Desillusion schwang dennoch darin mit. Seine beiden Unterarme waren innen durch vielerlei querende Narbenlinien gezeichnet. Auf dem einen Unterarm war groß und deutlich “hopeless” tätowiert. Dass seine Vergangenheit keine leichte war, sprach für sich. Ebenso war schnell wahrnehmbar, dass er für sein Leben kämpfen musste. Seine Startbedingungen waren alles andere als gut und dennoch hatte er es geschafft: Er hatte seinen Schulabschluss gemacht und eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann erfolgreich absolviert. Seine Zeugnisse waren so gut, dass er Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhielt. Doch dann kam für ihn wieder die Enttäuschung: Er wurde abgelehnt. Den Grund konnte man ihm nicht richtig nennen. Sein Fazit: Es lag an seiner Optik. Er hatte ein gepflegtes Äußeres, nur sein Geschmack war nicht mainstream. Für ihn selbst war es wieder eine Erfahrung der Desillusion und tiefen Enttäuschung. Zurück blieb die Frage, “welche Rolle und Aufgabe habe ich in dieser Gesellschaft?”.

Dieser junge Mann hatte etwas ganz Besonderes: Aufrichtigkeit und die Sprache des Herzens. Was ihm in diesem Stadium seines Lebens als Antwort blieb: “Ich möchte einfach nur Freude um mich herum verbreiten”, begleitet mit dem Grundsatz, bis ans Ende ehrlich und aufrichtig in den Spiegel schauen zu können. Welch Potential ist da bisher den Unternehmen entgangen? Ein Mann der mit aufrichtigem Herzen für das brennt, was er tut und zudem Loyalität besitzt. War es der fehlende Mut bei den Unternehmen, eine individuelle Entscheidung zu treffen? War es die Entscheidung dafür, die Flagge des Mainstreams hoch zu halten? Wie hebt sich ein Unternehmen ab, wenn es sich vom Einheitsbrei steuern lässt?

Schnell gelangten wir zur Frage, “wer und was ist der Staat und wer und was ist unsere Gesellschaft?”, um letztendlich wieder auf uns selbst zurück zu kommen. Unser Fazit beim Abschied war sodann:

Ich gebe ungern, wenn es mir ohne Herz genommen wird.
Ich gebe gerne und viel, wenn es der andere mit dem Herzen nimmt.

12.Juni 2016

Wenn ein Mensch für immer geht

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Wir feiern die Geburt eines Menschenkindes und zeigen uns betreten und traurig, wenn jemand geht. Mit jeder Geburt kommt auch ein Tod – nur möchten wir die Konsequenz oft nicht wahr haben. Unsere Gesellschaft dreht sich lieber weg. Wir sind in der Vermeidung.

So steht jeder Einzelne meist mit dem Thema für sich alleine da, wenn es darum geht, Abschied zu nehmen. Natürlich ist es in erster Linie der persönliche Verlust, der uns trauern lässt. Doch oft sind wir auch dann berührt, wenn es uns nicht unmittelbar betrifft.
Was macht uns traurig? Ist es das Mitleid für den Sterbenden und auch seine Angehörigen? Ist es das Vergängliche? Ist es das Endgültige? Ist es das Nicht-Aufhalten können, das Erkennen unserer Ohnmacht? Ist es die Ungewissheit darüber, wo es hingeht, die uns Angst macht? Hier könnte uns schon ein aufrichtiger und ehrlicher Blick auf diese Fragen helfen.

Wenn wir die Chance haben, Abschied zu nehmen, was und wie können wir es tun? Selbst wenn jemand schon ein langes und vielleicht sogar gutes Leben voll- und verbracht hat, setzen wir automatisch eine betretene Mine auf. Ist es wirklich das, was wir dem Sterbenden schulden? Werden wir demjenigen damit wirklich gerecht?

Ich frage mich, wie es für mich am leichtesten wäre zu gehen. Wenn die anderen sich bedrückt zeigten und ich am Ende noch das Gefühl bekäme, ich müsste sie trösten? Dann wäre es für mich in der Tat leichter zu gehen, wenn niemand bei mir wäre. Oder erleichtert mir ein Lächeln und ein aufrichtiges “Danke, dass Du da warst” vielmehr den Weg ins andere Dasein? Der Abschied für immer kann intensiv sein. Manchmal ist es nur ein Satz, der letzte Blickkontakt oder der letzte Händedruck. Vielleicht nur flüchtig und dennoch von solcher Intensität, dass er unvergessen bleibt. Das, zusammen mit dem gemeinsam erlebten, ist das was wir in unseren Herzen mitnehmen können und was uns über den Tod hinaus verbindet. “Gehe in Frieden”, heißt es. Tragen wir etwas dazu bei und lassen den Sterbenden wohlwollend in Frieden gehen. Die Erinnerung kann uns keiner nehmen. Sagen wir demjenigen von Herzen Danke für sein Sein, im Hier und Jetzt in der Zeitlosigkeit.

18.Mai 2016

Kleiner Impuls – Große Wirkung

 (Foto: Quelle www.pixabay.com von bykst und leicht überarbeitet)

(Foto: Quelle www.pixabay.com von bykst und leicht überarbeitet)

Die Lösung liegt in der Einfachheit – Dies ist ein Satz, der mich von Jugend an begleitet. Einige Male wachte ich morgens mit diesem Satz als ein Gefühl tiefer Erkenntnis auf. Nur der Weg im Traum zu dieser Erkenntnis geriet beim Aufwachen gleich in die Vergessenheit. Was blieb, war die Suche zum Schlüssel dazu. Das Leben bot seine vielseitigen Herausforderungen und in den Erkenntnisprozessen poppte immer wieder eine Ahnung auf, die mir sagte „ ja, hier irgendwo liegt der Weg zur Einfachheit“.
Wir Menschen, so unsere Annahme zumindest, gehören zu der intelligentesten Spezies dieser Erde. Wir erleben, können uns im erleben beobachten und können den Beobachter in uns noch einmal kritisch reflektieren. Wir haben also die Fähigkeit zu abstrahieren und uns in verschiedene Positionen zu versetzen. Dabei nehmen wir nicht nur uns selbst, sondern auch unser Umfeld sowie selbst die, die auf der anderen Seite der Erde leben oder von einer anderen Spezies sind, wahr. Die Informationen, die wir erhalten gehen einher mit Empfindungen … Kurzum, was für eine Masse an Informationen erreicht unser menschliches Gehirn, die wir filtern müssen, um ihrer einigermaßen habhaft zu werden. Das, was unser Unterbewusstes nicht schon automatisch ausgesondert hat, muss unser Großhirn noch einmal filtern und in Strukturen bringen. Warum? Damit unsere Weltanschauung eine gewisse Ordnung beibehält und wir wissen, wie wir uns zum Überleben orientieren können. Was liegt als intelligente Spezies naheliegender, als für all das unser bewährtes und so erfolgreiches Großhirn zu verwenden?
Schauen wir uns das Wasserbild oben an. Stellen Sie sich vor, Sie sind eines dieser immens vielen kleinen Wassermoleküle. Sie werden von den Wellen bewegt, deren Quellen unterschiedliche Wassertropfen sind. Manche Wellen fühlen sich für Sie vielleicht angenehm an, manche Wellen vielleicht eher unangenehm. Meistens fangen wir spätestens dann zu handeln an, wenn es für uns unbequem wird. Was tun Sie? Ihr Großhirn weiß, dass Sie nur ein kleiner Wassermolekül des Ganzen sind. Man könnte sich den Wellen überlassen. Man könnte sich weiter beuteln lassen und jammern, weil man eh’ nichts bewirken kann. Man könnte versuchen, sich mit den unmittelbar umliegenden Wassermolekülen zu verbinden und den Wellen zu widerstehen. Man könnte auf der anderen Seite der Quelle sehen, dass es den Wassermolekülen dort noch viel schlechter geht und denen zur Hilfe eilen. Oder man verändert gleich den ganzen Wellengang und bekämpft die Quelle. Es gäbe eine Vielzahl von Lösungen, die unser Großhirn mit der Fähigkeit für einen Blick auf die Gesamtheit uns anbieten kann. Doch, wenn ich mir diese Lösungen anschaue, hätten diese alle einen Kraftakt als Konsequenz. Selbst dann, wenn ich passiv bliebe und die Wellen ertragen muss. Ein Kraftakt, dessen Wirkung fraglich bleibt.
Wussten Sie, dass wenn man leicht aber mit einer absolut konstanten Frequenz auf einen einzelnen Punkt einwirkt, selbst eine Stahlbrücke wie die Golden Gate Bridge in Schwankung bringen kann? So stark, dass Sie am Ende bricht?
Was wäre, wenn Sie als Wassermolekül Ihr Großhirn einfach einmal ausschalten und statt nach außen zu schauen in sich hinein horchen, hinein spüren? Sie haben eigene Schwingungen in sich, nehmen Sie die Impulse wahr, ganz wertfrei. Und wenn Ihnen ein Impuls nicht gefällt, dann hat er einen guten Grund. Fragen Sie nach dem guten Grund. Und spüren Sie weiter den Impuls, lassen Sie ihn schwingen. In Ihrem Geist, in Ihrer Seele, in Ihrem Körper bis in Ihrem Tun … wie von alleine. Und eh’ Sie sich versehen, merken Sie plötzlich, wie Sie als kleines Wassermolekül in der Gesamtheit des Wassers Wellen verursachen. Und wenn Sie die Konstanz Ihres Impulses weiter behalten, schwingen die Wellen immer stärker und weiter, ohne Absicht des Einwirkens. Und es ist ganz leicht, denn Sie brauchen einfach nur Ihrem Impuls zu folgen. Sie können sich jedoch gewiss sein, dass diese Wellen Ihre Quelle im Guten haben.
Ein kleiner Impuls mit großer Wirkung. Wir müssen einfach nur Mut haben, unser Großhirn loszulassen und uns zu vertrauen. Vertrauen Sie sich und die Lösung kann so einfach sein. Sie tragen Sie bereits in sich.

Gerne können wir gemeinsam auf Ihre Lösung schauen.

Ihre Nathalie von Fischern

Werfen Sie auch einen Blick in www.wellness-for-mind.com

01.Mai 2016

Hilfe als Angebot

An einem Sonntag Nachmittag begab ich mich nach einem Termin in der Wiesbadener Stadt zu meinem Auto. Auf dem Weg dorthin lief ein sichtlich betrunkener Mann vor mir her. Er führte einen mittelgroßen jungen ausgewachsenen schwarz-weißen Mischlingshund mit sich. Die Leine bestand aus einer ledernen Handschlaufe verbunden mit einer Eisenkette, die am anderen Ende an ein breites ledernes Halsband mündete.

Sobald der Hund kurz schnüffeln wollte, schlug ihn der Mann mit der Leine. Ich war unschlüssig, ob und wenn ja, was ich tun sollte. Beim Überholen blickte ich dem Mann in die Augen. Sie waren trübe und dunkel. Das Gesicht wirkte leblos. Ich befand zunächst für mich, dass ein Einschreiten nicht ausreichend kalkulierbare Folgen habe. Aber was konnte man für den Hund tun?

Die Situation eskalierte. Die Schläge wurden ergänzt durch unsanftes Zerren oder versuchten Fußtritten. Der Hund wusste nicht mehr, ob er mitlaufen oder sich ducken sollte. Gleichzeitig versuchte er den Schlägen und Tritten auszuweichen. Immer wieder, wenn der kleine Vierbeiner getroffen wurde, jaulte er laut auf. Bei jedem Aufjaulen blieb ich stehen, drehte mich zu dem Mann um und schaute ihm in die Augen. Ein kläglicher Versuch, ihm mitzuteilen „hey, da kriegt jemand mit, was Du tust.“ Was konnte dem Hund gut tun? Ich dachte nur „der Hund muss von der Leine frei sein, der Hund muss von der Leine frei sein …“

Unser Abstand hatte sich vergrößert und bald überquerte ich die Straße, weil auf der anderen Seite mein Auto stand. Ich zögerte, wollte nicht einsteigen. Als der Mann wieder auf meiner Höhe angelangt war, versuchte er erneut nach dem Hund zu treten, während er ihn gleichzeitig mit der Leine hochzog. Er trat knapp daneben und traf dafür eine Hauswand. Mit einer Wucht, die dem Hundebesitzer deutliche und lange Schmerzen verursachte.

Im nächsten Augenblick, als ich wieder rüber schaute, stand der Hund da, ohne Leine, ohne Halsband. Wo war der Hundebesitzer? Er war 50 Meter weiter gegangen. Schnell überquerte ich wieder die Straße, bereit den Hund mitzunehmen. Bei mir würde er es doch definitiv besser haben. Einen Meter vor mir stand der Hund. Er stand seinem Herrchen zugewandt da. Aufrecht und mit gespitzten Ohren blickte er ihm nach. Ich versuchte ihn mit Stimme und Händen zu locken. Er schaute zweimal mit liebem, aber kurzem Interesse zu mir und war dann wieder voll auf sein Herrchen focussiert. Es kam mir vor, als könne er nicht glauben, dass sein Besitzer ihn jetzt verließe. Alles andere schien ihm uninteressant. Dann endlich rief sein Herrchen nach ihm. Der Hund blieb erwartungsvoll stehen, weiterhin mit voller Aufmerksamkeit für den Mann. Ich versuchte den Hund noch einmal, jedoch ohne ein Anzeichen von Gehör, zu locken. Noch einmal rief ihn seine Bezugsperson und er raste zu ihm hin, als sei er erleichtert und freudig zugleich.

Ich bewegte mich langsam wieder zurück zum Auto. Zeitgleich beobachtete ich, wie Hund und Herrchen die Straße an der Ampel überquerten. Da folgte der kleine Schwarzweiße mit steter Aufmerksamkeit seinem Zweibeiner, blieb kurz mit schön vorgewölbter Brust sitzen, um ihm dann weiter hinterher zu springen. Danach verlor ich sie aus den Augen, aber nicht aus meinen Gedanken.

Der Hund hatte die Wahl. Das, was aus meiner Sicht für ihn besser schien, entsprach nicht seinem Vorzug. Inwiefern hätte ich den Hund “retten” sollen oder dürfen? Wäre das überhaupt sein Glück gewesen? Ist es nicht anmaßend, sich über seinen Willen hinweg zu setzen? Jetzt könnte man argumentieren, dass der Hund nichts anderes kennt, als die womöglich quälende Konsequenz, wenn er gegenüber seinem Herrchen nicht parrierte. Er hat nicht das menschliche Denkvermögen, sich vorzustellen, wie ein alternatives Leben wäre. Mir kam ein Film in den Sinn, in dem ein gutherziger Mann einen Hund bei sich aufnahm, der zuvor von seinem stets alkoholisierten Vorbesitzer geschlagen wurde. Dem Hund ging es in seinem neuen Leben sehr gut und es wurde eine herzige Beziehung zwischen Mensch und Hund. Und dennoch … eines Tages begegnete der Hund wieder seinem früheren Herrchen und er ließ alles hinter sich stehen, nur um diesem zu folgen. Für mich zunächst unfassbar. Hier kannte der Hund zwei Varianten, dennoch entschied sich der Hund für seinen Erstbesitzer.

Inwiefern dürfen wir helfen, wenn unsere Hilfe nicht erwünscht ist? Wie kann unsere Hilfe wirken, wenn sie nicht erbeten oder zugelassen wird? Inwiefern sind wir sogar anmaßend, wenn wir jemandem unsere Hilfe überstülpen und meinen, es für denjenigen besser zu wissen? Wo bleibt dabei unser Respekt, unsere Achtung und Wertschätzung für denjenigen und seine Wahl? Inwiefern sollten wir es bei dem Angebot der Hilfe belassen und abwarten, ob es angenommen wird?

09.Dezember 2014