{"id":267,"date":"2016-06-12T16:20:44","date_gmt":"2016-06-12T14:20:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vonfischern.com\/?p=267"},"modified":"2022-10-17T21:46:09","modified_gmt":"2022-10-17T19:46:09","slug":"ich-gebe-gern-wenn-es-der-andere-von-herzen-nimmt-ich-gebe-ungern-wenn-es-mir-ohne-herz-genommen-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vonfischern.com\/index.php\/ich-gebe-gern-wenn-es-der-andere-von-herzen-nimmt-ich-gebe-ungern-wenn-es-mir-ohne-herz-genommen-wird\/","title":{"rendered":"Ich gebe gern, wenn es der andere von Herzen nimmt. Ich gebe ungern, wenn es mir ohne Herz genommen wird."},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:30% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.vonfischern.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/image-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-262 size-full\"\/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Am Wochenende kam ich mit einem jungen Mann ins Gespr\u00e4ch. Ich sch\u00e4tzte ihn Anfang Zwanzig. Wir waren auf einem Stadtfest und er genoss mit seinen Freunden die Livemusik. Die Augen strahlten, er bewegte sich beh\u00e4nde zur Musik und eine innere Freude war in seiner Gruppe zu versp\u00fcren. Seine Haare waren seitlich und am Nacken kurz geschnitten, die \u00fcbrigen lang und zu einem gezwirbeltem Zopf zusammen gebunden. Sein Gesicht war mit Piercings bespickt und aus den T-Shirt-Ausschnitten lie\u00dfen sich zahlreiche Tattoos erkennen. Seine Freundin fiel durch Ihre blauen Augen auf. Diese waren durch schwarze Lidstriche hervor- gehoben und ums\u00e4umt von ihren Haaren in flammendem Orange. Ihr Antlitz gewann durch Ihr leises L\u00e4cheln an Sanftheit. Der Freund gegen\u00fcber war modisch im Casual Look gekleidet und seine Haare fielen in leichten Wellen locker bis kurz \u00fcber die Ohren. Die Gruppe verspr\u00fchte etwas auffallend Freundliches und Angenehmes.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann ergab sich ein Gespr\u00e4ch mit meinem gepiercten Gegen\u00fcber. Einer seiner ersten S\u00e4tze war, &#8222;ich m\u00f6chte einfach nur Freude um mich herum verbreiten&#8220;. Schnell sprachen wir \u00fcber vielerlei Themen, die man im Einzelnen h\u00e4tte tiefer durchleuchten k\u00f6nnen. Was ich jedoch konstant wahrnahm, war vor mir ein Mann, der vom Alter her die ganze Zukunft vor sich hatte. Ein Mann, der f\u00fcr etwas brannte, f\u00fcr seinen Ursprung, seine Sippe, seine Freundin, seinen besten Freund, seine Freunde &#8211; kurzum Loyalit\u00e4t. Er w\u00fcnschte sich Standing und Profile f\u00fcr die Gesellschaft, genauso wie er hervorhob, dass jeder Mensch dieser Erde die gleichen Rechte hat. Die Energie die ihn durchstr\u00f6mte war sp\u00fcrbar, auch wenn er sich selbst f\u00fcr g\u00e4nzlich kaputt erkl\u00e4rte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich m\u00f6chte einfach nur Freude um mich herum verbreiten.&#8220; Wie wundervoll klang dieser Satz und wieviel Desillusion schwang dennoch darin mit. Seine beiden Unterarme waren innen durch vielerlei querende Narbenlinien gezeichnet. Auf dem einen Unterarm war gro\u00df und deutlich &#8222;hopeless&#8220; t\u00e4towiert. Dass seine Vergangenheit keine leichte war, sprach f\u00fcr sich. Ebenso war schnell wahrnehmbar, dass er f\u00fcr sein Leben k\u00e4mpfen musste. Seine Startbedingungen waren alles andere als gut und dennoch hatte er es geschafft: Er hatte seinen Schulabschluss gemacht und eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann erfolgreich absolviert. Seine Zeugnisse waren so gut, dass er Einladungen zu Vorstellungsgespr\u00e4chen erhielt. Doch dann kam f\u00fcr ihn wieder die Entt\u00e4uschung: Er wurde abgelehnt. Den Grund konnte man ihm nicht richtig nennen. Sein Fazit: Es lag an seiner Optik. Er hatte ein gepflegtes \u00c4u\u00dferes, nur sein Geschmack war nicht mainstream. F\u00fcr ihn selbst war es wieder eine<\/p>\n\n\n\n<p>Erfahrung der Desillusion und tiefen Entt\u00e4uschung. Zur\u00fcck blieb die Frage, &#8222;welche Rolle und Aufgabe habe ich in dieser Gesellschaft?&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser junge Mann hatte etwas ganz Besonderes: Aufrichtigkeit und die Sprache des Herzens. Was ihm in diesem Stadium seines Lebens als Antwort blieb: &#8222;Ich m\u00f6chte einfach nur Freude um mich herum verbreiten&#8220;, begleitet mit dem Grundsatz, bis ans Ende ehrlich und aufrichtig in den Spiegel schauen zu k\u00f6nnen. Welch Potential ist da bisher den Unternehmen entgangen? Ein Mann der mit aufrichtigem Herzen f\u00fcr das brennt, was er tut und zudem Loyalit\u00e4t besitzt. War es der fehlende Mut bei den Unternehmen, eine individuelle Entscheidung zu treffen? War es die Entscheidung daf\u00fcr, die Flagge des Mainstreams hoch zu halten? Wie hebt sich ein Unternehmen ab, wenn es sich vom Einheitsbrei steuern l\u00e4sst?<\/p>\n\n\n\n<p>Schnell gelangten wir zur Frage, &#8222;wer und was ist der Staat und wer und was ist unsere Gesellschaft?&#8220;, um letztendlich wieder auf uns selbst zur\u00fcck zu kommen. Unser Fazit beim Abschied war sodann:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich gebe ungern, wenn es mir ohne Herz genommen wird.<br>Ich gebe gerne und viel, wenn es der andere mit dem Herzen nimmt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>12.Juni 2016<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Wochenende kam ich mit einem jungen Mann ins Gespr\u00e4ch. Ich sch\u00e4tzte ihn Anfang Zwanzig. Wir waren auf einem Stadtfest und er genoss mit seinen Freunden die Livemusik. Die Augen strahlten, er bewegte sich beh\u00e4nde zur Musik und eine innere Freude war in seiner Gruppe zu versp\u00fcren. 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