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Täterenergie und was kann man tun?

Den hier aufgeführten Post auf Facebook möchte ich als Beispiel zum Anlass nehmen, mit Ihnen meine Gedanken zur Täterenergie zu teilen. Folgendes schreibe ich, da ich glaube, dass es manchmal auch sinnvoll sein kann, unangenehmen Facetten des Lebens ins Auge zu blicken. So, denke ich, haben wir eine weitere Chance dem Wandel der Zeit einen guten Impuls zu geben.

In meinen Erfahrungen in systemischen Aufstellungen als auch im Reinspüren bei Personen ist mir hier und da auch die Täterenergie in ihrer hochgradigen Form begegnet *. Diese Energien trugen ein absolutes Allmachtsgefühl in sich, welches schien, dass es durch nichts durchbrochen werden könnte. Es entsprach einem derartigen Rausch gleich einer Droge, bei der es keinen Anlass gäbe, sich ihrer zu entledigen. Die immer wieder neuen Erfahrungen der Täter, dass dem von außen bisher keiner habhaft werden konnte, verstärkte das Extasegefühl nur noch mehr. Ein Gedanke, sich von diesem Zustand zu entfernen, konnte nicht ansatzweise aufkommen. Weit jenseits von Moralfragen wurden Opfer nicht als Leben, sondern als simple Spielfiguren wahrgenommen, die aufgrund ihrer Machtlosigkeit eher der Lächerlichkeit anmuteten. Jedes Brechen des Gegenübers nährte das Allmachtsgefühl nur noch mehr. Einher ging dieser Rausch mit einer extremen Sexualität, die immer wieder nach neuem Nährboden suchte. Perversitäten waren dabei keine Grenzen gesetzt. Werte waren nicht existent. Eine Spirale, aus der es keinen Ausweg zu geben schien – geschweige aus sich selbst heraus noch von außen.

Ich wurde einmal gefragt, was man tun könne, wenn man sich dieser Energie gegenübergestellt sieht. Dazu kann ich zunächst erst einmal sagen, dass man alles dran setzen sollte, gar nicht erst in ihre Nähe zu kommen! Sie scheint quasi kaum durchbrechbar. Dennoch gab es in den Aufstellungen eins-zwei-mal die Situation, dass der Täter seinem Opfer ins Auge blickte und dieser in sich zusammenbrach. Es war das plötzliche fast unerträgliche Erfassen des maßlosen Leidens, das er seinen Opfern zugefügt hatte, und der maßlosen eigenen Schuld. Das Leid seiner Opfer wurde zu seinem in dem Bewusstsein, dass es durch nichts wieder gut zu machen ist. Ein Zustand, das dem des obigen Bild des Matadors mit dem Stier gleicht. Wie oben in Englisch beschrieben, hat der Matador ab diesem Moment sein Leben dem Kampf gegen den Stierkampf verschrieben.

Was war geschehen? Das Opfer blickte seinem Täter direkt in die Augen, so wie der Stier hier dem Matador. Dabei erblickte und erkannte der Täter in den Augen seines Opfers seine eigene Tat. Doch in die Augen blicken und in die Augen blicken, ist nicht das gleiche! Nach meiner Wahrnehmung ging es vielmehr um die innere Haltung des Opfers, um einen Seinszustand. Ein Zustand, in dem man aus sich heraus “einfach” ist an Stelle auf den Täter zu reagieren.

Habe ich Angst, möchte ich fliehen oder bin erstarrt. Vor was habe ich in der Situation Angst? Ich habe vor der(n) nächsten möglichen Handlung(en) oder Weiterhandlung des Täters Angst. Ich reagiere damit auf das, was der Täter tut oder tun könnte. Werde ich aggressiv oder wütend, möchte ich die Handlung(en) des Täters durchbrechen. Auch hier reagiere ich mit meinem Verhalten auf seines. Allerdings sehe ich in der Wut schon einen höheren Anteil des aus sich selbst heraus Agierens. Aber der Stier hier trägt offenbar keine Wut in sich. Er könnte in diesem Moment, in dem der Matador in sich zusammenbricht, diesen leicht und effektiv attackieren.

Aber was tut der Stier dann? Er bewahrt Ruhe und schaut seinen Peiniger nur an. Ebenso flieht er nicht oder scheint vor Angst erstarrt. In welchem Zustand befindet er sich also? Er scheint sich im Sein zu befinden. Er ist bei sich in der Eigenwahrnehmung. Aus der Kraft der Eigenwahrnehmung heraus erscheint das, was der Täter tut, völlig sinnfrei. Aus der Entwicklung der eigenen inneren Kraft im Sein, erscheint der Täter als schwach. Nicht etwa, weil der Täter geschwächt ist, sondern die Kraft des inneren Seins hat an Größe gewonnen und schwächt den Täter in Relation dazu. Was meine ich mit dem inneren Sein in dem Moment? Es ist der reine Focus auf sich selbst, die Konzentration auf den eigenen inneren Impuls bei offenem Blick auf den Täter. Frei jeglicher Reaktion. Was erblickt somit der Täter in den Augen des Opfers? Er erblickt nicht den Spiegel seiner vermeintlichen Allmacht, denn das Opfer reagiert nicht auf ihn, sondern ist bei sich. Das Opfer lässt ihn in seine ihm eigene Größe blicken. Der Täter erkennt, dass sein Gegenüber keine Spielfigur ist, sondern eine lebhafte Größe. Und somit erkennt der Täter seine eigene Tat am Leben des Gegenübers.

Dies ist natürlich leichter geschrieben als getan. Keine Frage! In einer solchen Situation bei sich zu bleiben setzt ein ungeheures (Selbst-)Bewusstsein voraus. Aber wie das Wort Selbstbewusstsein schon sagt: Es bedarf des Bewusstsein seiner selbst, was mit Selbstbewusstsein im positiven Sinne einhergeht. Denn wer sich seiner in aller Offenheit und Gänze bewusst wird, kann sich auch annehmen.

Nicht ohne Grund stellen Polizei und Psychologen fest, dass sich Täter meist unsichere Menschen als Opfer suchen. Geht man auf Lehrgänge für Präventivmaßnahmen für Kinder, ist das A und O das Entwickeln der Selbstwahrnehmung bei den Kindern. Sensibilisierung für das eigene Bauchgefühl, wertfreie Kommunikation und Raum für eigene Artikulation gehören dabei zu den Grundlagen.

Doch wieviele wurden tatsächlich unter diesen kraftgebenden Bedingungen erzogen? Geprägt durch Altlasten und Glaubensmuster muss sich der Weg ins Selbst-bewusst-Sein erst einmal wieder gebahnt werden. Tun Sie es. Tun Sie es ganz für sich. Sie dürfen nicht nur in einen erfüllenderen Zustand des Selbsbewusstseins kommen, sondern als Teil des Ganzen leisten Sie dabei sogar noch einen Beitrag für das Ganze. Denn jede Ihrer Taten, und wenn Sie nur in Ihrer aufrichtigen Selbstwahrnehmung sind, schlägt Wellen im Außen. Je mehr wir im Ganzen in unserer kraftvollen positiven Energie und Kraft sind, desto weniger hat anderes eine Chance.

• Ich weise dabei darauf hin, dass ich in keinster Weise Ambitionen habe, mich mit diesen Energien gezielt auseinander zu setzen! Vielmehr ist es mein persönlicher Wunsch und Focus, dass der Mensch in die erfüllende Kraft der inneren Verbundenheit mit allem (All-ein) kommt.